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Gabriele Roettger

Sie könnte auf 35 Jahre im Pflegeberuf und 11 Jahre in der Leitung von Alten- und Pflegeeinrichtungen zurückschauen. Stattdessen hält Gabriele Roettger lieber ihren Finger am Puls der Zeit und ihren Blick nach vorne gerichtet. Mit ihren innovativen Ideen und ihrer Pionierarbeit beweist die Johanniter-Schwester besondere Stärke – ganz zum Wohl ihrer Hausbewohner*innen.

Wenn Offenheit für Neues das Leben bewegt

Mit einer Melodie auf den Lippen geht sie durchs Haus Dietrichsroth: „Heute singen wir mit unseren Bewohnern noch alte Volkslieder, aber in fünf Jahren werden wir schon die Beatles anstimmen“ sagt Gabriele Roettger. Die Einrichtungsleiterin ist überzeugt: Man darf nicht stehen bleiben oder gar rückwärtsgewandt sein. Dieser innere Antrieb, diese Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, hat ihr Leben bewegt und spannend gemacht.

Eigentlich wollte sie ja Hauswirtschaftslehrerin werden. Doch während der Ausbildung, als der „Schwesternhelferinnen-Kurs“ auf dem Lehrplan stand, da hatte es Klick gemacht – jetzt wusste sie: ich will Krankenschwester sein, ich will Menschen helfen. Und Jahre später, als sie schon Familie hatte und nebenher ehrenamtlich ein Betreutes Wohnen leitete, da gab es wieder so ein Aha-Erlebnis: Sie verstand, als Ehrenamtliche können wir die 30 Bewohner*innen einfach nicht mehr alleine versorgen, wir brauchen einen ambulanten Pflegedienst. Die Folge: sie selbst gründete ihn. Die Offenheit für die neuen Wege brachte sie von der Hauswirtschaft zur Altenpflege und in Führungsposition.

Von Bayern als Pionierin nach Hessen

Sieben Jahre lang managte sie den Pflegedienst. Dann war es wieder Zeit für eine Veränderung: Zuerst leitete sie eine große Alten- und Pflegeeinrichtung in Augsburg. Dann wurden die Johanniter auf sie aufmerksam und machten ihr ein Angebot: Ob sie nicht ein Haus im Rohbau begleiten wolle, ein ganz neues Johanniterstift solle entstehen, in Karben, Hessen. Den Umzug nahm Gabriele Roettger gerne in Kauf. „Die Johanniter als großer Wohlfahrtsverband entsprechen meiner Einstellung zur Pflege“ sagt die Exilfränkin zur Begründung, „außerdem haben sie ein besonderes Augenmerk auf die Führung ihrer Häuser. Hier kann ich mit ganz anderen Themen das Haus weiterentwickeln, als das mit einer Aktiengesellschaft möglich wäre.“

Entwickeln, das musste sie in Karben von Grund auf. Es gab echte Pionierarbeit zu leisten: Es fehlte vor allem an Mitarbeitenden, 80 neue Fachkräfte mussten gefunden und angeworben werden. Und es fehlte an Hausärzt*innen, die die Bewohner*innen betreuen würden. Doch Gabriele Roettger hatte eine Idee: Im Haus richtete sie eine kleine Praxis ein, mit Behandlungs- und Wartezimmer. Hier, statt in den Privaträumen der Bewohner*innen, sollten Ärzt*innen ihre Sprechstunden abhalten. Mit diesem Modell ging sie gezielt auf diese zu — und konnte sie dafür gewinnen. Nach fünf Jahren stand das neue Johanniterstift auf festen Beinen. Gabriele Roettger konnte weiterziehen.

Voller Ideen zum Wohl der Bewohner

Das Haus Dietrichsroth in Dreieich ist ein Komplettversorgerhaus. Für Gabriele Roettger der Traum ihrer beruflichen Laufbahn – Küche, Wäscherei, Tagespflege, ambulanter Dienst, vollstationäre Pflege, alles unter einem Dach. Seit zwei Jahren ist sie nun hier. Sie hat keine Zeit verstreichen lassen, sondern hat hier frischen Wind hineingebracht. „Man muss mich manchmal sogar ein wenig bremsen” gibt sie zu.

Eine ihrer Ideen: Sie ließ das Restaurant ausbauen, öffnete es auch für Besucher*innen von außerhalb, ermutigte die Bewohner*innen, ihre Mahlzeiten dort statt auf den Zimmern einzunehmen – ein Stück Normalität, ein bisschen mehr Eigenaktivierung, das ist der Einrichtungsleiterin wichtig. Jetzt sind es oft 40 bis 50 Gäste beim Mittagstisch. Außerdem setzte sie das Projekt „Kneipp in der Pflege“ um: richtete ein Wassertretbecken ein, einen Barfußpfad und eine Liegewiese, dazu kamen die Aromatherapie und Bürstmassagen. Das Leben im Haus soll so angenehm wie möglich sein. „Wir müssen uns eigentlich immer bei unseren jetzigen und zukünftigen Bewohner*innen erkundigen: Wie möchtet ihr in Zukunft leben?“ sagt Gabriele Roettger und kommt dann wieder zurück aufs Thema, vielleicht ihr Lebensthema: „Da müssen wir schon nach vorne blicken.“

Doch auch inmitten aller Veränderungen gibt es Dinge, die sich für Gabriele Roettger nicht ändern: Sie ist und bleibt verwurzelt mit Unterfranken. Ihre Familie gibt ihr Halt. Und die Johanniter-Schwesternschaft, der sie beigetreten ist, stärkt ihr den Rücken. Auch ihr Glaube gibt ihr Kraft. „So weiß ich: Ich bin nicht alleine, es gibt jemanden, der mich trägt.“

PDF-Dokument hier herunterladen: Porträt Gabriele Roettger

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