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Daniela Höfler-Greiner

Sie hat maßgeblich zur Schärfung des evangelisch-diakonischen Profils in Frankfurt beigetragen. Auch ihre stete Knüpfung und Pflege von Kooperationen hat dazu beigetragen, die oft im Verborgenen und unter schwierigen Rahmenbedingungen geleistete, professionell hochqualifizierte Arbeit der ambulanten Diakoniestation sichtbar zu machen und die Qualität der Pflege sukzessive zu steigern.

In Frankfurt erfüllt sich ein Kindheitstraum

Ein Dorf in der südbadischen Provinz: 1000 Einwohner, eine Dorfschwester auf dem Fahrrad – und ein kleines Mädchen, das zu ihr aufschaute. Daniela Höfler-Greiner träumte schon früh davon, raus aus dem Dorf und in die Krankenpflege zu gehen. Und sie folgte ihrem Wunsch: Über Kehl, wo sie ihre Ausbildung absolvierte, kam sie nach Frankfurt, zuerst für 10 Jahre als Intensivschwester, dann schließlich in die ambulante Pflege. Anfang der 90er Jahren übernahm sie die Leitung der kleineren Diakoniestation Dornbusch und später, am 1. März 2004, die der neu formierten Diakoniestation Frankfurt. Ein Kindheitstraum war in Erfüllung gegangen.

Vorreiterin für das Handy in der Pflege

Zu einer Zeit, als viele noch nicht wussten, wie man Smartphone buchstabiert, führte Daniela Höfler-Greiner die mobile Datenerfassung in der Diakoniestation ein. Sie erhob das Handy zum Arbeitsgerät: Jetzt konnte sie sehen, bei wem ihre Pflegekräfte wie lange brauchen, wo zukünftig vielleicht mehr Zeit kalkuliert werden sollte oder andere Leistungen abgerechnet werden müssten. Gleichzeitig übte sie einen kritischen Umgang mit der Technik: Der Zeitdruck sei ja schon seit dem Beginn der Pflegeversicherung rapide gestiegen; diese Systeme dürften also nicht dazu führen, dass man noch weniger Zeit für die Klienten habe, dass man noch getriebener agiere oder weniger präsent sei, betont die Pflegedienstleiterin. Wir haben es immerhin mit Menschen zu tun, das sagt sie immer wieder.

Initiatorin konspirativer Fachtage mit hohem Zulauf.

Bekannt wurde Daniela Höfler-Greiner in Frankfurt als eine, die sich für Fortbildungen einsetzt. Das Ungewöhnliche daran: Die Fachtage führte sie nicht innerbetrieblich oder mithilfe von Externen durch, sondern organisierte sie kooperativ, fast schon konspirativ, als Joint Venture lokaler diakonischer Einrichtungen: der Diakoniestation, des evangelischen Hospizes, des Alten- und Pflegeheims Marthahaus und des palliativmedizinischen Arbeitskreises e. V. (PallAs) in Frankfurt. Die Experten sind ja schon da, ist die Initiatorin überzeugt, die Synergien innerhalb der Diakonie müssen nur genutzt werden. Viel zu oft aber kochen einzelne Einrichtungen ihr eigenes Süppchen. Der Ansatz von Daniela Höfler-Greiner hat zu einer Schärfung des evangelisch-diakonischen Profils in Frankfurt geführt. Ekel bei der Pflege, Ablehnung von Pflegemaßnahmen oder Essen und Trinken am Lebensende – es sind die alltäglichen Themen, die Daniela Höfler-Greiner zusammen mit einem Team von anderen Führungskräften fachlich aufbereitete. Das hat nicht nur zu einer Qualitätssteigerung der pflegerischen Arbeit und höheren Fachkompetenz geführt, sondern auch zu einer Aufwertung des Pflegealltags – dass man diese grundlegenden Fragen thematisiert, zeigt: Wir nehmen die Pflegetätigkeit sehr ernst. Die Pflegekräfte, die aus ganz Frankfurt und Umgebung zu den Fachtagen kommen, fühlen sich so wertgeschätzt und durch den kollegialen Austausch verstanden. 40 bis 50 Teilnehmer sind es im Schnitt. Höfler-Greiner und ihr Team scheinen einen Nerv getroffen zu haben.

Hoffnung auf eine neue Generation mit Haltung

Im April 2018 ist Daniela Höfler-Greiner in den Ruhestand gegangen. Von der nachfolgenden Generation erhofft sie sich vor allem: Engagement für die Pflege, Mitmenschlichkeit, und respektvolles Verhalten. Die Menschen, nicht nur die Klienten, sondern auch die Kollegen, mit Anstand und Würde zu behandeln, mit Wertschätzung und Annahme, auch im Umgangston, das ist ihr wichtig, das hat sie als Ausbildungsleiterin auch ihren Pflegeschülerinnen stets mitgegeben. Denn, und dann sagt sie ihn wieder, diesen Satz: „Wir haben es mit Menschen zu tun!“

Das Porträt als PDF finden Sie hier: Daniela Höfler-Greiner

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Kerstin Lutz

Ihr ungewöhnlicher Lebens- und Berufsweg bekräftigt ihre Meinungsstärke und ihren beherzten Einsatz

Auf Cottbusser Straßen für Meinungsfreiheit demonstrieren

„Freiheit“ stand auf ihren Plakaten und „Demokratie und Meinungsfreiheit!“ Es war eine kleine Gruppe, die sich 1989 in Cottbus versammelt hatte. Kerstin Lutz war auch dabei. Die Cottbusserin demonstrierte zusammen mit ihrem Mann. Sie hatte genug davon, dass ihr die Meinung vorgegeben wurde: „Richtig oder falsch, die Bösen, die Guten – dieses
Schubladendenken hat mich zunehmend gestört.“ Ihr politisches Engagement lag in der Familie. Beim sonntäglichen Frühstück wurde alles diskutiert: Von schulischen Sorgen über aktuelle Politik bis hin zu kontroversen Rollenbildern. Auch ihr Vater, ein Polizist, hielt nicht hinterm Berg. Als er den russischen Einmarsch in Afghanistan mit dem amerikanischen Krieg in El Salvador gleichsetzte, die Russen damit als Aggressor bezeichnete, da sagte er einen Satz, der alles verändern sollte: Der Vater wurde von der Stasi mitgenommen, niemals mehr zum Polizeidienst zugelassen, und Kerstin Lutz wurde ein Studium verboten.

Wie aus der Sekretärin eine Pflegehelferin wurde

Eigentlich hatte sie ja Germanistik studieren wollen. Jetzt blieb ihr nur, Facharbeiterin für Schreibtechnik und später Sekretärin zu werden. Tatsächlich machte es ihr aber auch Spaß. Wie nebenbei, zum Beispiel bei der Terminabsprache mit mehreren Firmen, lernte sie zu verhandeln und zu vermitteln – Fähigkeiten, die sie noch brauchen sollte. Als dann die Mauer fiel, fuhr sie mit dem Trabbi nach Berlin und war eine der ersten, die den Checkpoint überquerten. „Endlich darf ich meine Meinung sagen, ohne persönliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen“, freute sie sich. Als sie sich im Jahr 1998 von ihrem Mann trennte, lud ihre Mutter sie ein: Zieh doch zu mir in den Westen nach Lampertheim. Ach Muttern, besorg mir ’ne Wohnung, dann komm ich“, gab die damals 32-Jährige nach. Wenig später hatte sie eine neue Bleibe. Ebenfalls vermittelt durch die Mutter kam sie dann zum Hessischen Diakonieverband (HDV) – als Pflegehelferin arbeitet sie
seither im Dietrich Bonhoeffer Haus, einem Seniorenzentrum. Sie ist gerne und ganz bewusst Helferin und keine Fachkraft: „Als Helferin kann ich das tun, wozu viele Fachkräfte überhaupt nicht mehr kommen.“ Beim Füßewaschen hört sie zu, kann sich Zeit nehmen für den engen Kontakt zu den Bewohner*innen.

Aufstehen, Meinung sagen, für 800 Mitarbeitende eintreten

Kerstin Lutz ist kontaktfreudig. So hat sie schnell ihren Platz gefunden: Nicht immer im Rampenlicht, aber mitten drin im Getümmel und immer auch bei denen, die etwas zu sagen haben. Schon kurz nach ihrem Einstieg war sie dabei, als die Mitarbeitendenvertretung des HDV Lampertheim gegründet wurde. Seit 2009 ist sie sogar die 1. Vorsitzende der Gesamtmitarbeitendenvertretung: Sie setzt sich für die Interessen von 800 Mitarbeitenden aus acht Einrichtungen
ein, in der anderen Hälfte ihrer Arbeitszeit ist sie weiter Pflegehelferin. Gerade wurde sie als Vorsitzende wiedergewählt. Als sie erfuhr, dass viele Frauen im HDV gerne aus der Teilzeit rauskämen und wieder Vollzeit arbeiten würden, da stellte sie sich auf die Hinterfüße. Zurückhaltend war nicht nur das Management: Man müsse flexibel bleiben – was, wenn jemand krank wird. Aber Kerstin Lutz argumentierte: Wenn unsere Mitarbeiterinnen keinen Zweit- oder Drittjob mehr
brauchen, dann sind sie auch belastbarer – und außerdem zufriedener. Sie ermutigte die Frauen und unterstützte ihre Anträge zur Aufstockung. Mit Erfolg. Und als sie sah, wie manche ausgelaugten Mitarbeiter*innen mit 600 Überstunden immer noch Vertretungsdienste übernahmen, während andere sich raushielten, da setzte sie sich zudem für Arbeitszeitkonten ein – ein unpopulärer Lösungsweg, aber eine Dienstvereinbarung, für die sie leidenschaftlich
einstand. „Ich darf sagen, was ich denke“, freut sie sich. „Es wird mir nicht der Kopf abgerissen. Und es verändert sich etwas.“

Beherzt gegen das Schubladendenken

Doch wenn Arbeitnehmer in so einem harten Job, wie der Pflegeberuf es ist, jetzt bis 67 arbeiten müssen, wenn die Auszubildenden erst gar nicht mehr mit einer Rente rechnen und alle anderen nur mit den Schultern zucken, dann ärgert das Kerstin Lutz. Aber noch mehr ärgert sie, wenn Lösungen nach Parteizugehörigkeit bewertet werden: Es geht eher darum, ob sie rot, grün, gelb, schwarz oder braun sind. „Es erinnert mich stark an das DDR-System, wo nur die eine Partei recht haben konnte. Dabei lässt es gerade die Vielfalt an Parteien zu, dass gute Lösungen gefunden werden.“ Und
beim Thema Rente brauche es gute Ideen. Vielleicht führt Kerstin Lutz dieses Thema noch mal in die Politik. Wer weiß. So lange sie ihre Meinung sagen kann.

Das Porträt als PDF können Sie hier herunterladen: Kerstin Lutz