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Donata Brehm

Mit standhafter Durchsetzungskraft bewältigte sie schwere persönliche Lebenswege. Sie hat ihre eigene Professionalisierung vorbildhaft vorangetrieben und sich großes medizinisches Wissen angeeignet.

Mit elf lernte sie Spritzen zu setzen

Sie war noch ein Kind, als ihr kleiner Bruder an Diabetes Typ 1 erkrankte. Ihre Mutter, eine italienische Gastarbeiterin, konnte kein Deutsch, und so war es an Donata Brehm, in der Uniklinik Heidelberg zu übersetzen. Und weil die Mutter es nicht fertigbrachte, dem Kleinen das Insulin zu spritzen, machte sie auch das: Frau Doktor Schmidt wies die elfjährige Donata ein, zuerst zur Übung an einem Apfel und dann an ihrem Bruder. Später war es auch Donata Brehm, die mit dem Bruder aufstand, für ihn die Broteinheiten ausrechnete und ihm das Frühstück richtete. „Ich muss doch irgendwie helfen“, dachte sie schon damals.

Im Kontakt mit Kindern, die Diabetes, aber auch Krebs oder Trisomie 21 hatten, fand sie als verständnisvolles Mädchen teilweise einen besseren Zugang als manche hochausgebildeten Ärzte. Auf dieser Heidelberger Station wurde ihr klar: „Manches fehlende medizinische Wissen kann man mit einer Extraportion Herz ausgleichen.“ Außerdem stand schon damals ihr Entschluss fest: Ich will einmal Ärztin werden. Doch leider verbrachte sie zu viel Zeit im Krankenhaus und hängte so in der Schule ab – es reichte nur zum Realschulabschluss. Egal, dachte sie, dann werde ich erst mal Krankenschwester und studiere später.

Wie sie um ihren Berufswunsch kämpfen musste

Als sie allerdings ihre Ausbildung im Heilig-Geist-Hospital in Bensheim machen wollte, da lehnte man Donata Brehm rundweg ab. Begründung: Eine Ausländerin, das hatten wir ja noch nie! Eigentlich war sie Ähnliches ja schon von zu Hause in Laudenbach gewohnt: Dort war sie das Kind gewesen, zu dem die Klassenkamerad*innen nicht spielen gehen durften, das sich zum Rock nicht auch noch die weißen Strümpfe leisten konnte, wie das die anderen Mädchen taten, und das gebeten wurde, die Musikschule zu verlassen, weil sie keine wohlklingende Holzflöte hatte, sondern nur ein einfaches Plastikding.

„Euch zeig ich’s“, dachte sie auch dieses Mal kämpferisch und ließ nach der Absage nicht locker. Notgedrungen entschied sie, zunächst Stationshilfe zu werden, ein Jahr lang Böden und Bäder im Hospital zu schrubben – so würde sie sich bestimmt eine Stelle erarbeiten können. Und tatsächlich: Durch ihren Fleiß und ihr medizinisches Interesse wurde die Oberschwester auf sie aufmerksam. Dann endlich, im Jahr 1983, bekam sie den ersehnten Ausbildungsplatz. „Es ist mir nicht leicht gemacht worden, Krankenschwester zu werden“, gesteht sie.

Eine Krankenschwester mit medizinischen Ambitionen

Donata Brehm würde ein wenig arbeiten, Geld verdienen, dann auf die Uni gehen, Medizin studieren – so zumindest ihr Plan. Allerdings bekam sie zunächst nur Zeitverträge, viermal wurde sie für weitere drei Monate genommen. Dann sicherte sie sich eine Stelle im Kreiskrankenhaus Heppenheim, Innere Medizin, genau ihr Ding. Sie war glücklich, für eine Weile.

Aber mit Mitte zwanzig hatte sie genug: Immer noch bei den Eltern wohnen, sich um den Bruder kümmern. Das reichte jetzt. Sie zog aus und mit ihrem heutigen Mann zusammen. Das Geld für das Studium brauchte sie jetzt für die Miete. Den Traum, Ärztin zu werden, musste sie an den Nagel hängen. Ein Arzt auf ihrer Station, Matthias Noehte, ermutigte sie: Du kannst ja trotzdem weitermachen. Er förderte sie, nahm sie zur Visite mit, ließ sie bei der Gastroenterologie zuschauen und beim Legen eines Venenkatheters assistieren. „Lieber eine Krankenschwester wie du – eine mit Herz und Wissen“, bestärkte er Donata Brehm.

Mit einem Extramaß an Einsatz, Expertise und Herz

Dann kam die Babypause. Donata Brehm zog nach Birkenau um. Im Jahr 2001 begann sie, in der hiesigen Diakoniestation zu arbeiten. Auch nach fast zwanzig Jahren gibt sie immer noch mehr als hundert Prozent. Als einem alten Bauer das Bein wegen einer offenen Wunde abgenommen werden sollte, rief der Mann flehend Donata Brehm an: Er wolle keine Amputation, keine Prothese, keinen Rollstuhl. Zusammen mit der Wund-Koryphäe Dr. Wahlig und den Hausärzten entwickelte sie einen Sieben-Wochen-Plan. Jeden Tag schaute sie nach der Wunde, auch ehrenamtlich. Am Ende konnte das Bein gerettet werden. Bis zu seinem Lebensende lief der Bauer in den Stall zu seinen Hühnern.

Es ist dieses Extramaß an Herz, aber auch an Einsatz und Expertise, das Donata Brehm schon immer angetrieben hat: „Wenn’s blutet, will ich nicht nur wissen, dass man da dies und jenes Pflaster drauf macht, sondern mich interessiert auch, warum es blutet und wie ich die Blutung stoppen kann“, sagt sie. Deshalb hat sie auch im Jahr 2008 die Ausbildung zur Wundexpertin gemacht. Seit zwei Jahren ist sie nun auch stellvertretende Pflegedienstleitung in der Diakoniestation Birkenau. Auch als solche ist sie immer noch überzeugt: „Das Herz ist die beste Medizin!“

Das Porträt als PDF können Sie hier herunterladen: Donata Brehm

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