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Hannelore Rexroth

Hannelore Rexroth ist eine Macherin, die Idealismus versprüht. Eine Netzwerkerin, die die Menschen, zusammenbringen will. Für ein positives Bild vom Altern, für Wohlfühl-Heime und Netzwerke – von älteren Menschen, Angehörigen und Fachkräften – engagiert sie sich in Arbeitskreisen, Institutionen und als Lehrbeauftragte.


In die Gemeinschaft zurückholen

Einsamkeit im Alter. Nach dem Tod des Partners allein im Haus oder der Wohnung zurückbleiben, in der man seit Jahrzehnten lebt. Im eigenen häuslichen Umfeld zwar, aber die Kontakte nach außen werden immer spärlicher. Eine Erinnerung, die Hannelore Rexroth mit ihrer Großmutter verbindet und die sie geprägt hat. „Früh habe ich mir Gedanken gemacht, wie man alte Menschen, die daheim sitzen und auf den Tod warten, wieder in die Gemeinschaft holen kann.“ Vielleicht hat das ihren späteren beruflichen Werdegang beeinflusst – der Wille, etwas zu bewegen, zum Besseren zu wenden.

Die 53-Jährige kam in Darmstadt zur Welt. In Gießen studierte sie Diplom-Ökotrophologie, Haushalts- und Ernährungswissenschaften mit Schwerpunkt Großhaushalte und Institution Management. „Das Studium bot sehr vielfältige Möglichkeiten, von Medizin, Diätetik, Botanik bis hin zu sozialwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Themen. Eine Grundlage für vieles im Leben“, sagt Hannelore Rexroth. Und schon damals entdeckte sie, dass vor allem die Arbeitswissenschaften sie ansprachen. Ein Jahr verbrachte sie als junge Studentin mit einem Stipendium in den USA. „Ich wollte unbedingt in den englischsprachigen Raum.“ Die Kansas State University in Manhattan war die Partneruniversität von Gießen. Dorthin wechselte sie und machte ihren Master of Science in Institution Management and Gerontology. Eine aufregende Zeit mit internationalen Kontakten und auch beruflich eine wichtige Erfahrung. „Es war spannend zu sehen, wie in den USA mit Altenpflege und Altern umgegangen wird. Dort eröffneten sich Einblicke in Konzepte des betreuten Wohnens und der aktivierenden Pflege, als bei uns noch die Rede nur von Alten- und Pflegeheimen war.“

Mehr als nur satt und sauber

Mit 25 Jahren kam sie mit einem Diplom zurück und mit vielen Fragen im Kopf. Etwa zur Wohnqualität und überhaupt zu den Qualitätsstandards in Altenheimen. Schon Ende der 1980er Jahre ging es für Hannelore Rexroth in der Pflege um mehr als nur darum, dass die Bewohner satt und sauber sind. Lebensbejahend sollte das Ende des Daseins gestaltet werden. „Ein positives Bild vom Altern“ schwebte ihr vor, „aktiv sein bis ins hohe Alter“. Eben kein bloßes Warten auf den Tod. Enthusiastisch bewarb sie sich als Leiterin eines Altenheimes. Die Stelle bekam sie nicht – „ich sei noch ein bisschen zu jung“, hieß es im Bewerbungsgespräch. Doch der Gestaltungswille blieb. „Gemeinsam etwas aufbauen, alle Bedürfnisse vereinen, eine ganzheitliche Versorgung etablieren – im Altenheim muss man alles können, von der Küche bis zur Pflege“. Dieses komplexe System fasziniert Hannelore Rexroth.

In ihrem beruflichen Werdegang hat sie viele Stufen dieses Systems durchlaufen. So war sie Mediatorin in Unternehmen und Organisationen, Ökonomische Visitorin für die Zertifizierung von Krankenhäusern, Qualitätsmanagementbeauftragte. Heute ist sie Mitglied im Frankfurter Forum für Altenpflege sowie Vorstandsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Altenhilfe und Pflege und Mitglied im Fachausschuss für Wirtschafts- und Pflegesatzfragen der Diakonie Hessen. Seit 2008 ist Rexroth Geschäftsführerin der AGAPLESION MARKUS DIAKONIE gGmbH, der Markus Service und Wohnen GmbH sowie des ambulanten Pflegedienstes AGAPLESION CURATEAM gGmbH.

Netzwerke knüpfen

In Frankfurt ist sie zuständig für drei Häuser mit insgesamt 238 Pflegeplätzen: das Haus Saalburg in Bornheim, das Schwanthaler-Carree und das Oberin-Martha-Keller-Haus, beide in Sachsenhausen. In Letzterem wurde 2011 eine auf Demenz spezialisierte Tagespflege eröffnet und 2018 mit einem von der Stiftung Deutsches Hilfswerk geförderten Quartiersprojekt begonnen. Rexroth möchte, dass die Einrichtungen mit ihrer Professionalität in die Nachbarschaft hineinwirken, dass sich Kontakte zu Kirche, Sozialarbeit, Schulen oder Vereinen ergeben und daraus ein dichtes, Generationen und Sektoren übergreifendes Netzwerk wird. „Wir wollen keine Inseln sein mit unseren Häusern“, betont sie und findet, dass zu oft in festen Grenzen gedacht wird. „Wir wollen unsere Angebote vernetzen, Junge und Alte einbinden. Das ist eine Herausforderung.“ In diesem Sinne engagiert sie sich im Diakonie-Arbeitskreis „Altern in Frankfurt“ und ist immer wieder überrascht „über die vielen tollen Projekte der Kirchengemeinden und diakonischen Träger“. Ihr Ziel ist, „die Menschen abzuholen, wo sie sind, und drum herum ein Netzwerk aufzubauen“.

Wohlfühl-Atmosphäre

Hannelore Rexroth will die Bewohner*innen ihrer Einrichtungen motivieren, ein aktives Leben im Alter zu führen, „die Zeit zu genießen, die man hat.“ Dazu gehört, Feste zu feiern und ein Wohnumfeld zu schaffen, das der Biografie der Menschen entspricht und in dem sie sich wohlfühlen. Dazu gehört aber auch, ein Gespräch darüber zu führen, was sich die Menschen am Lebensende wünschen. „Das ist sehr intensiv, emotional, und damit sollte man sich frühzeitig auseinandersetzen“, findet sie. Ihre Mitarbeiter*innen erhalten dazu gezielt Schulungen, um Überforderungen zu vermeiden. Hannelore Rexroth hat die Erfahrung gemacht, dass alte Menschen und Angehörige sehr dankbar sind, wenn sie miteinander und moderiert darüber sprechen können. „Das entlastet.“ Sie selbst hat sich schon mit 46 Jahren Gedanken gemacht, wie sie im Alter leben will, und ist mit ihrem Mann von der Maisonette-Wohnung in ein kleines, altengerechtes Haus gezogen.

Imkern als Hobby

2006 wählte die engagierte Ökotrophologin ein Hobby, das zu ihr und ihrer Arbeit passt. Sie wurde Imkerin und kümmert sich auf ihrer Streuobstwiese in der Freizeit um zehn Honigbienenvölker. Von der Natur inspiriert, legte sie 2016 auf dem großen Dachgarten von Haus Saalburg ein Wildbienenhotel an, an dem sich seither die Bewohner/innen erfreuen. „Das hat mir einen ganz neuen Blick eröffnet“, sagt sie. Auf ein Gemeinschaftsleben, wie die Natur es vorlebt. Die 50.000 Insekten eines Honigbienenvolkes kommunizieren untereinander. „Bienen sind das perfekte Bild einer sich sorgenden Gemeinschaft. Jeder ist für jeden da. Ein Sinnbild, dass man miteinander etwas Positives bewirken kann“, findet Hannelore Rexroth.

Autorin: Astrid Ludwig

Das Porträt als PDF finden Sie hier: Hannelore Rexroth

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