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Irmgard Pauli

Als Gründerin einer Diakoniestation hat sie innovativen Geist und besonderen Einsatz für ihre Mitarbeitenden bewiesen. Auf überregionaler Ebene setzte sie sich für bessere Rahmenbedingungen und die Schärfung des diakonischen Profils ein. Sie gilt als eine Vorreiterin für die Eigenständigkeit von Diakoniestationen.

Durch Zufall zur Gemeindeschwester

Sie war gerade aus den Staaten nach Deutschland zurückgekommen. Es war der siebenundzwanzigste Umzug gewesen. Zusammen mit ihrem Mann, einem amerikanischen Soldaten, kam Irmgard Pauli so ins ländliche Südhessen. Sie hatte gerade wieder angefangen zu arbeiten, als ihr eine Kollegin von dieser Stelle erzählte: Kirchengemeinde Birkenau, Gemeindeschwester. „Du bist verrückt“, hatte sie geantwortet, „das ist doch nichts für mich, mit alten Leuten arbeiten.“ Eigentlich war sie Kinderkrankenschwester.

Trotzdem probierte sie es. Nur mal zum Schauen ging sie mit einer Gemeindeschwester für zwei Tage auf Tour. Die Erfahrung überzeugte sie – vor allem der persönliche Kontakt im häuslichen Umfeld hatte es ihr angetan, die Nähe zu den Patienten und Familien. Sie wusste, sie hattte hier ihren Traumjob gefunden. Und der Unterschied zur Kinderkrankenpflege war auch nicht so groß, wie sie zuerst dachte, „Nur die Windeln sind größer,“ lacht sie.

Die rasante Entstehung einer Diakoniestation

Im Jahr 1983 begann Irmgard Pauli mit einem verrosteten Auto, einer alten Bettpfanne und einem Gummiring. Doch schon bald hatte sie vier Festangestellte, und zehn Jahre später waren es zwanzig – eine Diakoniestation war gewachsen. Irmgard Pauli übernahm die Aufgaben der Pflegedienstleitung mit der Überzeugung: „Eine Pflegestation ist nichts ohne gute Mitarbeiter und ohne deren professionelle Begleitung.“ Als dann Mitte der Neunziger das Pflegegesetz kam, hatten sie noch mehr zu tun. Sie zogen vom Gemeindezentrum zuerst in ein Wohnhaus, dann kauften sie den alten Bahnhof, sanierten ihn und bauten ihn zur Diakoniestation mit Tagespflege und Hospizkreis aus.

Ihr Personal war ihr besonders wichtig, aber auch andere Pflegende in der Gegend. Deshalb engagierte sich Irmgard Pauli schon bald überregional: Sie war maßgebliche Mitgestalterin von Klausurtagungen für Pflegedienstleitungen. Später wurde sie auch in den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Altenhilfe und Pflege (AGEAP) gewählt – dort beriet sie andere Pflegestationen, entschied über Zuschüsse und brachte auf den Weg, dass auch seelsorgerliche Tätigkeiten in der Altenpflege ihren Platz behalten und als sogenannte „Diakonische Zeiten“ abgerechnet werden konnten. „Wenn mir jemand in der Ausbildung erzählt hätte, dass ich einmal Pflegedienstleiterin und Vorständin sein würde, hätte ich das nicht geglaubt“, sagt Irmgard Pauli rückblickend. „Es hat sich einfach so entwickelt.“

Für die eigenen Mitarbeiter bis an die Grenze

Einmal musste sie sich aber durchbeißen. Das war im Jahr 2000. Der Diakoniestation war schon dreimal angedroht worden, man wolle sie schließen – zu klein war sie im Vergleich zu städtischen Stationen. Dagegen war Irmgard Pauli überzeugt: Die Station läuft gut, ist rentabel und wird in diesem ländlichen Gebiet dringend gebraucht. Aber es war offensichtlich, dass es eine andere Gesellschaftsform brauchte – dem bisherigen Vorstand, vom Kirchenvorstand gewählt, wurde die Verantwortung schlicht zu viel. Gemeinsam überlegten sie lange. Schließlich entschieden sie: Das Beste ist, wenn wir eine GmbH gründen, auch wenn das innerhalb der hessischen Landeskirche bis jetzt nicht erlaubt ist!

Für ihre Mitarbeiter ging sie bis an die Grenzen des Rechts. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion meldete sie die Diakoniestation Birkenau-Reisen GmbH an, Irmgard Pauli wurde die Geschäftsführerin. Als das Landeskirchenamt davon erfuhr, war es schon alles unter Dach und Fach. Irmgard Pauli wurde mehrfach abgemahnt, entging knapp einem Disziplinarverfahren. Jahre später, als sich der Staub gelegt hatte und sie bereits im AGEAP-Vorstand war, war man bemüht, den Diakoniestationen mehr Eigenständigkeit zu geben. „Da galt ich dann immer ein bisschen als Vorbild. Das hat mir gutgetan“, sagt sie heute.

Die Gesundheit hat sie gezwungen, 2014 in den Ruhestand zu gehen; sie hätte ja noch ein, zwei Jahre weitergemacht. Es ist ihr schwergefallen. Aber so ist er eben, der Lauf der Dinge. Jetzt lebt sie in Birkenau – und umziehen will sie nicht mehr.

Das Porträt als PDF finden Sie hier: Irmgard Pauli

Ein Gedanke zu „Irmgard Pauli

  1. Für Irmgard war (und ist – soweit man sie fragt und sie auch lässt!) es immer wichtig, wahr, ehrlich und modern zu sein! Selten, eigentlich ZU selten zu ihrem eigenen Wohl, immer aber zum wohl der Patienten und der Mitarbeiter! Von ihrer Einstellung zur Pflege, zu den ‚ihr anvertrauten‘ könnten einige heute, bis in höchste Kreise, sich durchaus eine Scheibe abschneiden!
    Schade, dass ihr nachfolgende Personen scheinbar voller Neid sie so meiden! Aber:
    Danke, dass du soviel gegeben hast! Und sei gewiss: nichts geschieht, ohne dass es irgendwann und irgendwie auch honoriert wird.
    Ein ehemaliger PDL-Kollege…..

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