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Kerstin Schneider-Stütz

Patienten begegnet sie mit großer Empathie und viel Offenheit. Ob 18 oder 80 Jahre alt, obdachlos, suchtkrank, Akademikerin oder auch Team-Kollege – „Ich behandele alle gleich“, betont Kerstin Schneider-Stütz. Und weiß: Es braucht mehr als professionelle Unterstützung. „Ein Lachen und ein bisschen Leichtigkeit hilft in dieser schwierigen Umgebung.“

Gern mit Menschen zusammen

Nach der Realschule und dem Abitur wusste Kerstin Schneider-Stütz lange nicht, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollte. Ein Pfarrer gab ihr dann den entscheidenden Rat: Er empfahl sie auf eine Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr, und die junge Abiturientin landete in einem Altenheim in Darmstadt-Eberstadt. „Das war mein erster Kontakt mit einem Beruf im Gesundheitswesen.“ Und eine Art Weckruf. „Es hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Ich bin gerne zur Arbeit gegangen und gut mit den alten Menschen zurechtgekommen.“ Von da an wusste sie, was sie wollte: „Ich wollte Krankenschwester werden.“

Sie bewarb sich im Elisabethenstift in Darmstadt und wurde genommen. „Die Atmosphäre war schon beim Bewerbungsgespräch herzlich und menschlich. Das hat mich gleich überzeugt.“ Von 1996 bis 1999 dauerte ihre Ausbildung zur Krankenschwester, bei der sie alle Bereiche des Darmstädter Hauses durchlief. In der geschlossenen, geschützten Abteilung der psychiatrischen Station merkte die junge Frau, dass sie „einen Draht zu den Menschen mit psychischen Problemen hat, mir der Kontakt leichtfällt“, erzählt sie. Das Miteinander des Teams sagte ihr zu. „Es herrschte ein sehr respektvoller, menschlicher und verständnisvoller Umgang.“ Das gab den Ausschlag. Als sie sich nach dem Ende ihrer Ausbildung dort bewarb und auch genommen wurde, war das für sie „wie Weihnachten und Geburtstag zusammen“, erinnert sich Kerstin Schneider-Stütz.

 Offen mit Thema Gewalt umgehen

Die 44-Jährige ist eine Frau der Praxis. Ein Studium, sagt sie rückblickend, „wäre nichts für mich gewesen.“ Sie bewegt sich viel und gern, liebt den direkten Kontakt zu den Menschen. 2017 ließ sie sich zur „Prodema“-Trainerin ausbilden. Die Abkürzung steht für Professionelles Deeskalationsmanagement, eine Fortbildung, die auf den professionellen Umgang mit Gewalt in Pflege- und Gesundheitsberufen zielt. Dort lernte sie in theoretischen, aber auch viel in praktischen Übungen, wie schwierige Situationen auf der Station oder in der Notfallambulanz entschärft werden können, bevor sie außer Kontrolle geraten, oder wie man für alle Beteiligten schonend eingreifen kann, wenn es doch zu gewalttätigen Übergriffen kommen sollte.

„Mit dem Thema Gewalt müssen wir offen umgehen“, sagt Kerstin Schneider-Stütz. „Es geht um unseren Schutz und den der Patienten“, betont sie. Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen würden aufgrund gewalttätiger Übergriffe krank. Kerstin Schneider-Stütz’ Ziel ist es daher, „ihnen etwas für Notlagen an die Hand zu geben, damit sie sich nicht hilflos der Situation ausgeliefert fühlen.“ Das Deeskalationstraining biete ein Gerüst, „damit wir kontrolliert und nicht aus dem Bauch heraus handeln, was es oftmals schlimmer macht“, wie sie erfahren hat.

 Patient steht im Fokus

Dabei, betont sie, steht der Patient oder die Patientin im Fokus und die Frage, wie sich eine solche Situation schon im Vorfeld erkennen und verhindern lässt. „Meist steht hinter Aggressionen die Angst der Patienten.“ In ihrem Prodema-Training lehrt sie die Kollegen und Kolleginnen, die Symptome zu erkennen, sich frühzeitig einzuklinken und so mit dem Betroffenen umzugehen, „dass es ihm oder ihr möglich ist, offen von der inneren Not zu erzählen.“ Seit rund 20 Jahren arbeitet Kerstin Schneider-Stütz jetzt schon in der Psychiatrie des Elisabethenstifts. „Ich habe solche Situationen auch selbst erlebt, und das belastet einen“, weiß sie. Vor- und Nachbesprechungen – ganz ohne Schuldzuweisungen – sind ihr deshalb wichtig. „Es geht nur darum, was wir anders oder besser machen können.“

Yoga und Humor helfen

2016 ließ sich die Krankenschwester nebenberuflich auch zur Yoga-Lehrerin ausbilden. Ihr Wissen setzt sie auf der Station ein. In Kleingruppen bieten sie und die Stationsleiterin nun Yoga für die Patienten und Patientinnen an. Musik läuft, sie trainieren Atem- und Entspannungsübungen, lehren, sich selbst wieder mehr zu fühlen und Außenreize auszublenden. „Das ist mal was ganz anderes, und die Patienten haben Freude daran.“

Kerstin Schneider-Stütz begegnet ihren Patienten mit Respekt und auch mit Humor. „Es ist wichtig, mal mit ihnen zu lachen. Diese Leichtigkeit muss man in einer so schwierigen Umgebung wie der unsrigen erlauben. Das hilft“, ist sie überzeugt. Auch privat übrigens. Die 44-Jährige ist seit Kurzem in zweiter Ehe verheiratet, lebt mit ihrem neuen Ehemann und ihren Teenager-Kindern in Darmstadt. „Wir sind eine große, glückliche Patchwork-Familie“, sagt Kerstin Schneider-Stütz.

Geschrieben von Astrid Ludwig

Das Porträt als PDF finden Sie hier: Kerstin Schneider-Stütz

 

Ein Gedanke zu „Kerstin Schneider-Stütz

  1. Liebe Kerstin, das ist sehr schön be- und geschrieben !
    Toll finde ich auch das Angebot von Yoga auf der Station !

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