Veröffentlicht am

Line Fresenius

Ihre kommunikativen, diplomatischen und verbindenden Fähigkeiten zeichneten ihre Führungsstärke aus. Dabei zeigte sie ein hohes Maß an selbstbewusster Eigenständigkeit und in schwierigen Zeiten großes Durchhaltevermögen.

30 Jahre lang leitete sie den Hessischen Diakonieverein: Line Fresenius begeisterte mit einer besonders ansteckenden Freude für den Pflegeberuf. Ihre Stärke lag in ihrer einfühlsamen und verbindenden, und gleichzeitig selbstständigen und resoluten Art – in einer Zeit, in der Emanzipation nicht selbstverständlich war. Sogar als die Nazis sie verhörten, ließ sie sich nicht unterkriegen.

Von der Tante inspiriert in den Pflegedienst

Line Fresenius wurde am 22. August 1897 in gutbürgerlichen Verhältnissen geboren. Inspiriert von ihrer Tante „Lullu“ begann sie 1921 im Freimaurerkrankenhaus in Hamburg ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin. Später war sie Stationsschwester im Landeskrankenhaus in Hanau und absolvierte eine Fortbildung auf dem Gemeindepflegeseminar in Darmstadt. So wurde sie schließlich Gemeindeschwester in Leiselsheim. Sie blieb aber nicht sehr lange im Gemeindedienst, sondern wurde schon bald in eine Führungsposition gehoben.

Mit Offenheit und Wertschätzung die Menschen zusammenbringen

Am 26. März 1934 wurde sie zur Oberin des Hessischen Diakonievereines ernannt. Die freiheitliche Orientierung dieses Verbandes, damals nicht selbstverständlich, entsprach ihr sehr: Line Fresenius handelte äußerst selbstbewusst, fast schon emanzipiert, auf Augenhöhe mit den Männern ihrer Zeit: Zum Beispiel im Zusammenspiel mit Pfarrer Guyot, der die wirtschaftlichen Geschicke des Vereines lenkte, während sie als Oberin vor allem das Heimathaus leitete.
So managte sie auch eine schwierige Fusion mit dem Rheinisch-Westfälischen Diakonieverband. In ihrer herzlichen Art nahm sie den neuen Schwestern ihre Angst vor einem Identitätsverlust als rheinische Schwesternschaft; mit ihrer ausgeprägten Offenheit und ihrer hohen Kommunikationsfähigkeit führte sie die beiden Verbände erfolgreich zusammen. Diese verbindende Art, aber auch ihre selbstbewusste Eigenständigkeit machten sie zu einer guten Krankenpflegerin und starken Führungsperson.

Auch in der Krise standhaft und stark bleiben

Line Fresenius begann ihren Dienst als Oberin in einer beschwerlichen Zeit. Die Nazis waren an die Macht gekommen. Einige Schwestern waren zur Braunen Schwesternschaft übergetreten. Der Hessische Diakonieverband geriet unter Druck, drohte auseinanderzubrechen. Line Fresenius und Pfarrer Guyot versuchten ihn mit aller Kraft finanziell durchzubringen, aber auch seine christliche Grundhaltung zu bewahren.
Dabei gerieten sie selbst in den Fokus der Nazis. Als einmal alle Frauenorganisationen zusammengerufen worden waren, um sie gegen die Juden aufzuhetzen, war Line Fresenius aufgestanden und hatte den Saal verlassen. Eine Gerichtsvorladung war die Folge. Dort rechtfertigte sie sich: „Schließlich bin ich ja verpflichtet, als Schwester allen Menschen zu helfen, da kann ich keinen Unterschied machen.“ Sie war eine Frau mit eigenständigem politischem Urteilsvermögen – und dem Mut, sich für ihre Überzeugungen öffentlich stark zu machen.

Eine Freude am Pflegeberuf, die ansteckt

Als Oberin leitete Line Fresenius auch die „Wohlfahrtsschule“, die hauseigene Ausbildungsstätte. Hier wollte sie, neben einer fundierten und breitgefächerten Bildung, vor allem Lust auf den Pflegeberuf machen. Ihre Botschaft an die Schwestern: Freut euch, ihr habt einen schönen Beruf, einen, der Sinn macht – eine Botschaft, die auch heute noch ermutigt. Ihre Freude sollte übrigens dauerhaft ansteckend sein: Aus ihrer Schule entwuchs später die Evangelische Hochschule Darmstadt.
Line Fresenius beendete ihren Dienst am 23. September 1967 und starb am 21. Oktober 1986 in Freiburg. Sie bleibt in Erinnerung als eine starke Frau in der Pflege.

PDF-Dokument herunterladen: portrait_fresenius

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.