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Martina Desch

Frau Martina Desch ist ganz nah dran am Patienten- UND am Mitarbeitendenwohl und erkennt sensibel die Potenziale anderer. Aufgrund Ihrer Innovationsfreudigkeit stößt sie ständig neue Ideen und Projekte an und agiert als Mutmacherin und Chancengeberin.

Sie ist immer ganz vorne dabei: Bei der Gründung erster Sozialstationen, der frühen Einführung einer Pflegedokumentation oder von mitarbeiter*innenfreundlichen Arbeitsbedingungen – Martina Desch ist eine der wenigen weiblichen geschäftsführenden Pflegedienstleitungen. Sie tut dies mit viel Erfolg und sorgt dafür, dass die Qualität ihrer Diakoniestation gesichert und gesteigert wird, aber auch die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter*innen. Dabei hat sie in ihrer Laufbahn erst bei der Diakonie den Eindruck, am richtigen Platz angekommen zu sein.

Haben Sie überhaupt schon einen Führerschein?

Manchmal war Martina Desch ihrer Zeit voraus: Die einundzwanzigjährige Krankenpflegerin war eigentlich noch zu jung, um Gemeindeschwester zu werden – doch sie blieb hartnäckig und überzeugte den Vorstand der Caritas in Offenbach. Und deshalb wurde sie bei Hausbesuchen immer wieder gefragt, ob sie überhaupt schon Auto fahren dürfe.

So war Martina Desch dabei, als die ersten Gemeindepflegestationen gegründet wurden. Sie bekam mit, wie sich das Bild der Gemeindepflege wandelte: Die älteren Ordensschwestern mit Häubchen und Tracht wurden weniger, mehr junge Gesichter mit professioneller Ausbildung prägten das moderne Bild der Gemeindeschwester. Schon bald wurde Martina Desch stellvertretende Pflegedienstleitung. „Ich konnte einfach nicht nur zuschauen“, erklärt sie, „ich wollte die Dinge aktiv voranbringen.“

Die Vergangenheit nicht glorifizieren

Früher war nicht alles besser. Martina Desch kann sich noch lebhaft daran erinnern, wie schlecht es vielen ihrer Patienten ging: Wundgelegen, versteift durch Kontrakturen.

Als sie Anfang der Neunziger die Leitung der Gemeindepflegestation übernahm, führte sie als Novum eine Pflegedokumentation und ein Qualitätshandbuch ein. Gleichzeitig organisierte sie Qualitätszirkel, um die Mitarbeitenden für Pflegequalität zu sensibilisieren, ein Thema, das später mit Einführung der Pflegeversicherung hohe Bedeutung erhielt. „Zielorientiertes Handeln muss immer am Wohle des Menschen orientiert sein“, ist sie überzeugt.

Aber nicht nur die Patient*innen profitieren, sondern auch die Pflegenden. „Dokumentation, als Arbeitsmittel verstanden, kann Spaß machen“, sagt Martina Desch begeistert. Natürlich, oft gilt die Dokumentation als ungeliebter Teil der Arbeit. Doch nur wer strukturiert Informationen sammelt, Ziele formuliert und die geleistete Arbeit regelmäßig reflektiert, der kann erkennen, welcher Fortschritt gemacht wurde: Wurde etwa verhindert, dass ein Patient Druckgeschwüre bekommt und ins Krankenhaus muss, oder wurde sogar ermöglicht, dass er aus dem Bett wieder auf die eigenen Füße kommt? Je strukturierter, bedürfnisorientierter und fachlicher man handelt, desto mehr Erfolge sind zu verzeichnen.

Angekommen

Als Martina Desch im Jahr 2009 zur Diakonie wechselte, da hatte sie den Eindruck, endlich nach Hause zu kommen. Sie weiß noch: Bei ihrem ersten Besuch in der Diakoniestation Offenbach wehten lila Fahnen vor dem Eingang, ihre Lieblingsfarbe. Blumen im Treppenaufgang, helles Tageslicht, und dann war da noch das Leitbild im Flur aufgehängt – das hatte sie sehr angesprochen. Es war, als wäre sie schon immer da gewesen. „Sie schickt der Himmel“, hatte der Vorstand bei der Begrüßung zu ihr gesagt. Sie wurde Pflegedienstleiterin, später auch geschäftsführend.

An ihrem neuen Arbeitgeber schätzte sie, dass man hier Freude hatte, etwas zu gestalten. Aber viel wichtiger war ihr, dass die Diakonie schon damals eine Antwort auf eine der brennenden Fragen hatte: Wie können Pflegende die diakonischen Zusatzleistungen wie bspw. zusätzliche Gespräche ermöglichen, die bei anderen Trägern oft in der Freizeit erfolgen müssen? Die von der Kirche dafür freigestellten Gelder nimmt Martina Desch jetzt nicht nur in Anspruch, als berufenes Mitglied im speziellen Fördergremium entscheidet sie auch über die Mittelvergabe an andere.

Mitarbeitende neben Patientenwohl nicht vergessen

Aber Martina Desch geht noch einen Schritt weiter: Mit ihrem eigenen lokalen Förderkreis sammelt sie Spenden, um erhöhte Pflegezeiten zu ermöglichen – und um Mitarbeitenden zeit- und kostspielige Fortbildungen zu bezahlen. Denn in der Diakoniestation Offenbach kann sich jede ihrer Mitarbeiter*innen eine eigene Spezialisierung aussuchen und dafür qualifizieren lassen. Das gehört für Martina Desch zu einer mitarbeiter*innenorientierten Personalentwicklung dazu.

„Sie setzt sich stark für die Belange der Mitarbeiterinnen ein und engagiert sich, um gute Arbeitsbedingungen zu schaffen“, sagt eine Kollegin über Martina Desch. Tatsächlich passt sie für Pflegekräfte mit Kindern deren Tour- und Dienstpläne so an, dass sie mit den Öffnungszeiten der Kindertagesstätten abgestimmt sind. Und sie hat es geschafft, dass ältere Mitarbeitende, die krankheitsbedingt ausgeschieden waren, wieder in den Beruf eingegliedert werden konnten.

Besonders wichtig ist Martina Desch aber vor allem ein geregelter Dienst mit der notwendigen planbaren Erholungszeit: Drei Monate im Voraus wissen in der Diakoniestation Offenbach alle, wann sie arbeiten und wann sie frei haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit in der Branche – Martina Desch weiß von Arbeitgeber*innen, bei denen man nicht einmal weiß, wie der Dienst am nächsten Wochenende wird. Ein Unding, findet sie. „Man kann in der Pflege das Menschliche nicht einfach abschalten“ – nicht das der Patienten, aber auch nicht das der Mitarbeitenden.

PDF-Dokument herunterladen: Porträt Martina Desch

Ein Gedanke zu „Martina Desch

  1. Liebe Martina es war schön dich zu sehen und ich freue mich riesig dass du noch immer deiner Einstellung, der diakonischen Pflege treu geblieben bist. Du bist eine tolle Frau, bleib so wie du bist😘👍.

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