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Roswitha Behnis

Manchmal hat sie geschwankt, aber nie gezweifelt. „Ich wusste immer, dass ich die Kraft entwickele, schwierige Situationen zu meistern“, sagt Roswitha Behnis über sich selbst. Ihr Ziel ist stets die Wertschätzung der Patienten als Menschen, aber auch das Wohl ihrer Mitarbeiter/-innen.

Anfangs ein Kampf

Roswitha Behnis erinnert sich noch gut an frühe Erlebnisse in ihrer Krankenschwesternausbildung. Sie war gerade 17, stammte ursprünglich aus einem Dorf unweit von Bingen. Frankfurt war eine Großstadt, die Arbeit im Markus-Krankenhaus noch neu. „Ich hatte das erste Mal Dienst auf der urologischen Station.“ Heute schmunzelt sie darüber, aber damals war ihr so manche Situation mit männlichen Patienten unangenehm. „Das ist 45 Jahre her, und die Zeiten waren einfach anders“, sagt sie im Rückblick. Roswitha Behnis ist in Mainz zur Schule gegangen. Sie wusste früh, dass sie nach der mittleren Reife einen sozialen Beruf ergreifen wollte. „Ich habe geschwankt zwischen Erzieherin und Krankenschwester.“ Mit dem Thema Pflege war sie zuvor nie in Berührung gekommen. Ihr Vater war Installateur, die Mutter unterstützte ihn im Familienbetrieb. „Die Schule hat mich geprägt. Dort hat man sich sehr für das Soziale engagiert.“ Der Anfang in der Schwesternausbildung fiel ihr dennoch schwer. „So viel Nähe zu Menschen zuzulassen, das musste ich erst lernen“, erzählt die heute 62-Jährige.

Unterwegs zu den Menschen

In einer Behinderteneinrichtung der Diakonie in Nassau-Scheuern absolvierte Roswitha Behnis ein soziales Jahr. „Die Diakonissen haben mich gut angeleitet“, sagt sie. Wenn es emotional schwierig wurde, schickten sie die junge Frau zum Durchatmen an die frische Luft. Manches war nicht leicht zu verkraften, „aber ich habe nie gezweifelt, sondern immer gewusst, dass ich die Kraft entwickele, schwierige Situationen zu meistern“, betont sie. Ihr Aha-Erlebnis, durch das sie zu ihrer Berufung fand, hatte sie während der Ausbildung bei einem Außeneinsatz in Frankfurt-Eschersheim. Dort war sie mit der Gemeindekrankenschwester auf dem Fahrrad zu Hausbesuchen unterwegs. „Das war für mich ausschlaggebend: In die Häuser zu gehen, mich dort um die Menschen zu kümmern, vor Ort mit ihnen gemeinsam nach einer Lösung oder einem Pflegearrangement zu suchen. Danach wusste ich, dass ich in die Pflege gehen wollte.“

Ein Kind der Diakonie

1988 begann Roswitha Behnis ihre Arbeit in der Diakoniestation Niedernhausen bei Wiesbaden. „Wir waren anfangs zwei Schwestern und vier Patienten“, erinnert sie sich. Seit 1991 leitet sie die Station, und heute kümmern sich dort 40 Mitarbeiter*innen um 130 Patienten*innen. Ihr ganzes Arbeitsleben lang war Roswitha Behnis bei der Diakonie angestellt. „Ich bin sehr stolz auf diese Station und was wir geschafft haben“, sagt sie. Vor rund zehn Jahren waren sie die ersten in der Region rund um Wiesbaden, die sich mit PiA, mit der Pflege kranker Menschen im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt, befassten. „Bis Freiburg bin ich gereist, um mir verschiedene Modelle anzuschauen“, erzählt sie.

Kampf gegen den Zeitdruck

Häusliche Pflege ist heute ein riesiger Markt. Behnis legt Wert darauf, ihre Patient*innen und auch ihr Team wertzuschätzen. „Wir kämpfen sehr gegen den Zeitdruck.“ Sie geht fair mit ihren Beschäftigten um, bietet wenn möglich einen Wunschdienstplan an und Kurse zu Schlaf- und Stressmanagement. „Ich möchte gute Bedingungen für meine Mitarbeiter*innen schaffen“, betont sie. Im Umgang mit den Patient*innen hält sie ihr Team dazu an, immer den Menschen zu sehen, respektvoll und mitfühlend zu sein und auch schon mal fünf Minuten länger Zeit zu haben – „dafür sind wir Diakonie“, betont sie.

Im Berufsleben ist die Pflege von Angehörigen noch immer ein Tabuthema

Mehr in den Fokus hat sie auch Hilfen für pflegende Angehörige gerückt und sich dafür zur Gesundheitspädagogin und Pflegeberaterin weitergebildet. In der Diakoniestation Niedernhausen arbeiten zusätzlich zu den Pfleger*innen auch Betreuungsassistent*innen, die sich um Patient*innen kümmern, damit Angehörige stundenweise entlastet werden können. Ein Angebot, das Roswitha Behnis aufgebaut hat und „das sehr gut angenommen wird“, erzählt sie. Zudem bietet sie zusammen mit einer Kollegin Kurse und eine betriebliche Pflegeberatung in Unternehmen an. Dabei handelt es sich um ein spezielles Angebot für berufstätige pflegende Angehörige. Es geht um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, um Teilzeit, gesetzliche Regelungen und um Hilfen, sich im Antragsdschungel zurechtzufinden. „Je mehr man weiß, umso stabiler wirkt das Überforderung entgegen“, weiß Behnis, die eine Ausbildung zum Pflege-Guide absolviert hat.

In Unternehmen und bei Berufstätigen ist die Pflege von Angehörigen noch immer ein Tabuthema, hat sie erfahren. „Viele möchten nicht, dass der Arbeitgeber davon weiß.“

Neue Projekte

In wenigen Jahren geht die 62-Jährige in Rente. Bis dahin hat sie sich jedoch noch viel vorgenommen. Nicht nur, dass sie mit ihrer eigenen Station 2019 innerhalb von Niedernhausen umziehen wird, in Eppstein werden sie und ihr Team außerdem einen weiteren Standort eröffnen – in einer betreuten Wohnanlage. Dort soll es einen Raum für eine Demenzgruppe geben. Auch das ist neu. „Ich möchte noch viel aufbauen, bevor ich in den Ruhestand gehe“, sagt sie. Ruhig wird sie – trotz Mann, Kindern und Enkeln – aber wohl kaum bleiben: „Ich brauche Aufgaben. Stillstand ist nichts für mich.“ Für das Diakonische Werk in Frankfurt engagiert sie sich als Dozentin in der Suchtkrankenhilfe. Noch so ein großes Thema neben Demenz und Pflege im Alter: die Einsamkeit und Sinnlosigkeit, die alte Menschen oftmals in die Medikamenten- oder Alkoholsucht führt. Roswitha Behnis werden die Aufgaben vorerst nicht ausgehen.

Autorin: Astrid Ludwig

Das Porträt als PDF finden Sie hier: Roswitha Behnis

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