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Schwester Ingeborg Pungs

Die Mitarbeit in der Kinder- und Jugendarbeit und später in der Kranken- und Altenpflege war für sie selbstverständlich. Weil sie von Jesus Hilfe erfahren habe, sagte sie, war es ihr sehnlichster Wunsch, anderen Menschen in ihren Nöten beizustehen und zu helfen – selbst als die eigenen Kräfte nachließen. Wegbegleiterinnen und Gefährten beschreiben sie als kompetent, engagiert und humorvoll. Als Oberin und Pflegedienstleiterin wirkte sie in vielen diakonischen Aufgabenfeldern und knüpfte auch lebhaft Kontakte zu Schwestern und Brüdern außerhalb des Diakonieverbandes.

Schwieriger Start ins Leben

Ingeborg Pungs kam rund ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1938 in Rheydt zur Welt. Mit ihrem Bruder wuchs sie als Kind jedoch in Velbert auf. Der Start ins Leben war schwierig. Schon kurz nach ihrer Einschulung erkrankte Ingeborg Pungs an der damals gefürchteten Kinderlähmung. Das Poliovirus breitete sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder seuchenartig aus. Da die oftmals tödlich verlaufende Krankheit höchst ansteckend war, durfte Ingeborg Pungs längere Zeit nicht am Unterricht teilnehmen. Umso eifriger lernte sie jedoch, als sich ihr Zustand besserte. 1956 konnte sie die Schule mit der Mittleren Reife abschließen und entschied sich zunächst für eine kaufmännische Lehre.

Krieg, Kinderlähmung und die dadurch erfahrene Isolation waren prägende Einschnitte in ihrem Leben. Ingeborg Pungs suchte, so schrieb sie in ihren Aufzeichnungen, einen festen inneren Ankerpunkt. Den fand sie 1956 während einer Zeltevangelisation. „Von dieser Zeit an habe ich Halt in meinem Leben gefunden und bin froh, den Sinn, den ein Leben haben kann, erkannt zu haben“, schilderte sie das damalige Erleben.

Eintritt ins Mutterhaus

Ihre neue Heimat wurde die evangelische Gemeinde in Velbert, und hier engagierte sie sich vor allem durch Mitarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe. Es war ihr sehnlichster Wunsch, „anderen in ihren Nöten beizustehen und zu helfen.“ Am 1. August 1960 trat sie in das Diakonissen-Mutterhaus Bleibergquelle ein, und aus Ingeborg Pungs wurde Schwester Ingeborg.

Ihre Grundausbildung absolvierte sie im Mutterhaus in Velbert, 1962 kam sie nach Marburg und arbeitete zunächst in der Kassenverwaltung des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes (DGD). Ab April 1964 wurde sie in den Augusta-Krankenanstalten in Bochum zur Krankenpflegerin ausgebildet und war dort auch nach ihrem Examen in der Krankenpflege tätig. Berufsbegleitend durchlief sie in Marburg die Ausbildung zur Unterrichtsschwester und übernahm in Bochum später den Krankenpflegeunterricht. 14 Jahre lang – von 1974 bis 1988 – engagierte sie sich dort als Oberin und Pflegedienstleiterin.

Weiterentwicklung vorangetrieben

Als sich die Schwestern aus dem Bochumer Krankenhaus zurückzogen, begann für Ingeborg Pungs eine neue Ära. Ihr wurde die Leitung und Verantwortung für die Krankenpflege-Hochschule des DGD in Marburg übertragen. Eine Arbeit, die ihr, wie Weggefährt*innen berichten, viel Freude bereitete. Dort trug sie wesentlich zur fachlich guten Ausbildung und zur qualifizierten Weiterbildung in der Pflege bei. 1994 wechselte sie in die Hauptstelle des DGD, bildete sich auf der Bibelschule St. Chrischona in der Schweiz weiter und engagierte sich als Delegierte sowie stellvertretende Vorsitzende der „Evangelischen Säule“ in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland.

Acht Jahre lang, bis 2003, arbeitete sie als Oberin des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes. Während dieser Zeit trat der DGD dem DIAKONIA Weltbund bei, und Schwester Ingeborg gehörte dem Vorstand des Bundes als Stellvertreterin an, wobei sie die Anliegen der traditionellen Mutterhäuser vertrat. Wegbegleiter beschreiben sie als kompetent, engagiert und humorvoll.

Einsatz für die fachliche Weiterentwicklung der Pflege

Die Übernahme der neuen Aufgaben im DGD und im Weltbund füllte sie aus ohne von ihrem Einsatz für die Pflege abzulassen. Sie engagierte sich als eine der 5 Delegierten und von 1994 bis 1997 als Vorstandsmitglied der „Evangelischen Säule“ sowie als stellvertretende Vorsitzende in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen e. V. (ADS). Und auch nachdem sie dies aufgrund einer schweren Erkrankung abgeben musste, blieben ihr die ADS und deren verantwortlicher Einsatz für die Pflege in Deutschland ein wichtiges Anliegen. Begegnungen mit ihr, so erinnert sich Ulrike Döring, waren von großer Herzlichkeit geprägt und dem schnellen „Auf den Punkt kommen“ hinsichtlich der Anforderungen an die Pflegenden und die Verantwortung der christlichen Verbände für deren gute Aus- und Weiterbildung.

An ihren „spontanen Humor“ erinnert sich auch Dr. Michael Gerhard, Geschäftsführer des DGD in Marburg. Er besuchte Schwester Ingeborg wenige Wochen vor ihrem Tod in ihrem kleinen Zimmer im Mutterhaus in Velbert. Damals ging es ihr schon recht schlecht. Während des Besuches klingelte das Telefon. Schwester Ingeborg hob ab und gab einer Mitschwester die Auskunft, dass sie jetzt leider nicht kommen könne, da „ganz Marburg“ zu Besuch sei, schildert Michael Gerhard diese letzte Zusammenkunft.

Am 6. Januar 2008 starb Schwester Ingeborg. Sie wurde 69 Jahre alt.

Geschrieben von Astrid Ludwig

Das Porträt als PDF finden Sie hier: Ingeborg Pungs

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