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Ulrike Goldmann

Ulrike Goldmann hat sich ihre Neugierde und Begeisterungsfähigkeit bewahrt. Persönlicher oder beruflicher Stillstand ist ihr fremd. Sie will Verbesserungen für pflegebedürftige Menschen erreichen und für diejenigen, die sie betreuen. Im Auftrag der Diakonie Hessen reist sie durchs Land und schult Diakonie-Einrichtungen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf das neue System der Pflegedokumentation um, das mehr Zeit für die Patienten und weniger Bürokratie bedeutet.

Schon nach dem Abitur in die Pflege

Ulrike Goldmann ist am Niederrhein aufgewachsen, in einer Familie, in der regelmäßige Kirchenbesuche dazu gehörten. „Der Glauben“, sagt sie, „ist meine Basis“. Der Wunsch, zu helfen, etwas Sinnvolles zu tun, erwachte früh. „Ich habe ein Helfersyndrom“, lacht sie. Nach dem Abitur wollte sie daher eigentlich Medizin studieren, doch auch damals schon war der Numerus Clausus eine hohe Hürde. Als Vorbereitung für das später geplante Ärztinnen-Dasein, begann Ulrike Goldmann eine Ausbildung zur Krankenschwester im Viersener Krankenhaus, „doch dann bin ich bei der Pflege geblieben“, erzählt sie. Die Arbeit faszinierte sie von Anfang an. „Ich hatte gleich das Gefühl, das ist der richtige Beruf für mich.“

Ein Leben im Ausnahmezustand

Statt Ärztin zu werden, heiratete Goldmann später einen Arzt, einen palästinensischen Christen, den sie im Viersener Krankenhaus kennen- und lieben gelernt hatte. Ihrem Mann folgte sie in dessen Heimat Bethlehem. Ein intensives, spannendes und gefährliches Leben begann. 18 Jahre wohnte sie dort, erlebte hautnah die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern, drei Intifadas und den Golfkrieg. Sie bekam sechs Kinder, arbeitete ehrenamtlich mit geistig- und körperlich behinderten Kindern, engagierte sich in der deutschen evangelischen Kirchengemeinde in Jerusalem, half in Flüchtlingslagern und in Not geratenen Menschen auf den Westbanks. Vom Land und den Menschen dort ist sie fasziniert. „Es hat meinen Blick auf die Welt verändert“, sagt Ulrike Goldmann.

„Hier wird nicht geschossen“

Leidenschaftlich tritt sie für die Rechte der Palästinenser ein, doch als ihr Mann 2000 stirbt, bleibt sie nicht dort. 2001 kehrt sie nach Deutschland zurück. In Jerusalem hat sie ihren zweiten Ehemann kennengelernt. Mit ihm und ihren sechs Kindern aus erster Ehe geht sie nach Deutschland, zuerst nach Kirchhain, später nach Hofgeismar, wo ihr Mann im Pfarrdienst arbeitete. Heute wohnen sie und ihr Mann in Großkrotzenburg, einer kleinen Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis. Vom umkämpften Alltag im Nahen Osten in eine beschauliche Kleinstadtatmosphäre in Hessen – größer kann eine Umstellung kaum sein. Die Schule der Kinder wurde zu Kriegs- und Intifada-Zeiten mit Tränengas beschossen. „Mama, hier wird gar nicht geschossen“, berichtet Ulrike Goldmann von ersten Reaktionen ihrer Kinder auf die neue Umgebung. Das friedvolle neue Zuhause gefiel ihnen, „aber die Sonne und die Wärme haben sie vermisst“.

Wieder voll im Beruf

Mittlerweile sind die Kinder erwachsen und aus dem Haus. „Ich bin wieder voll im Beruf“, sagt die 59-Jährige. Die Neugierde trieb sie an und das Bedürfnis, zu helfen. Statt wieder als Krankenschwester zu arbeiten, stieg Ulrike Goldmann auf die Altenpflege um. Die Beziehung zu Menschen war ihr von jeher wichtig. Von 2014 bis Juni 2018 arbeitet sie im Diakonischen Aus- und Fortbildungszentrum Hofgeismar, seit September 2018 in Teilzeit an der Altenpflegeschule Rodenbach/Gelnhausen. Als Lehrerin unterrichtet sie ausgebildete oder angehende Pflegekräfte in palliativer Begleitung, Ethik, Behandlungspflege oder auch Krankheitslehre. Sie gibt Fort- und Weiterbildungs- oder auch Fachkurse.

Ulrike Goldmann hat zudem ihr Heilpraktiker-Examen gemacht und sich in chinesischer Medizin fortgebildet. „Das schafft einen neuen Blick auf Erkrankungen“, findet sie. Als Prädikantin darf sie ehrenamtlich Gottesdienste halten. Stillstand kennt sie nicht.

Neue Pflegedokumentation

Als Honorarkraft arbeitet sie weiter für die Diakonie Hessen und schult diakonische Einrichtungen und deren Mitarbeiter/innen auf die neue Pflegedokumentation nach dem Strukturmodell um, die die Pflege entbürokratisieren soll. Das Konzept soll den Dokumentationsaufwand mindern und Entlastung für die Pflegekräfte schaffen, die dadurch wieder mehr Zeit für die eigentliche Pflege gewinnen- ohne fachliche Qualitätsstandards oder haftungsrechtliche Risiken zu vernachlässigen.

Ein Konzept, das Ulrike Goldmann am Herzen liegt. „Der Blick auf den Menschen ist das Wichtigste. Der würdevolle Umgang, die bewusste Beziehung.“ Das versucht sie auch ihren Schülern*innen in der Altenpflegeschule zu vermitteln.

Das Porträt als PDF finden Sie hier: Ulrike Goldmann

Geschrieben von Astrid Ludwig

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