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Ursula Schneider

Ihr innovatives Vorstellungsvermögen, ihre Überzeugungskraft und ihr Mut zur Vielfalt führten zur Gründung einer einmaligen Schuleinrichtung. Mit dieser hat sie zur weiteren Professionalisierung des Berufsstandes beigetragen.

Sie schaffte was damals nur eine wilde Vision war. Ursula Schneider gründete eine ungewöhnliche und einmalige Art der Krankenpflegeschule, das Christliche Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe in Kassel. Dazu brachte sie drei Träger zusammen, die unterschiedlicher wohl kaum sein konnten. Doch bis sie ihre innovative Idee umsetzen konnte, musste sie noch einige Hürden nehmen.

Wenn aus der Not eine Vision entsteht

Für Ursula Schneider stand fest: So kann es nicht weitergehen mit meiner Schule! Gerade kleine Krankenpflegeschulen waren in den neunziger Jahren zunehmend unter Druck geraten – die umfangreichen Auflagen zur theoretischen Ausbildung durch das Krankenpflegegesetz machten ihnen zu schaffen. So eine kleine Schule leitete Ursula Schneider damals am Diakonissenkrankenhaus Kassel. Ihr Eindruck wurde schließlich in Frankfurt bestätigt: Marianne Wander ermutigte sie neue, gemeinschaftliche Wege zu suchen – doch die brauchten noch eine Weile, um Form anzunehmen. Schließlich, Ende der Neunziger, hatte Ursula Schneider eine Vision vor Augen: Eine große Schule brauchte es, getragen von mehreren Krankenhäusern.

Mit der Unterstützung ihres Geschäftsführers begann sie bei anderen Krankenhäusern in Nordhessen anzuklopfen. Zuerst begegnete ihr großes Interesse, dann der Einwand „Aber wir hatten doch immer eine eigene Schule“ und schließlich schloss man wieder die Tür vor ihrer Nase. Nur ein Krankenhaus blieb übrig, das Rote Kreuz Krankenhaus in Kassel. Später kam auch noch das Marienkrankenhaus dazu. Und die Geschäftsführungen begannen zu verhandeln – mit dabei Ursula Schneider, die die Verhandlungen unablässig anschob und nach vorne brachte. „Ohne sie gäbe es die neue Schule nicht,“ sagt der heutige Geschäftsführer Karl Leonhäuser.

Aus einer ungewöhnlichen Idee wird eine innovative Schule

Im Jahr 2001 war es soweit. Unter Leitung von Ursula Schneider entstand die neue Schule – das Christliche Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe: Vier Stockwerke, modernste Ausstattung, 210 Ausbildungsplätze – es war und ist die größte Krankenpflegeschule in Nordhessen im Diakonieverbund. Hier konnte Ursula Schneider wirtschaftlicher arbeiten als früher: Personal aus ursprünglich drei Schulen konnte gebündelt eingesetzt werden; die notwendigen Außeneinsätze der Auszubildenden in den kooperierenden Krankenhäusern war es leichter zu koordinieren, die Kosten wurden gesenkt. Man hatte deshalb neue finanzielle Spielräume, etwa um die Praxisanleiterinnen freizustellen, ihnen mehr Zeit für Ihre Aufgabe zu geben und so die Ausbildung zu verbessern.

Im Bildungsinstitut lebte die Vielfalt: Mit den drei Krankenhäusern waren ein evangelischer, ein katholischer und ein humanistisch geprägter Träger nun Mitgesellschafter; deren doch sehr unterschiedlich sozialisierte Auszubildende lernten gemeinsam in einer Klasse; und auch in der Schulleitung arbeitete eine Rot-Kreuz-Schwester mit Ursula Schneider zusammen. Ein so vielfältiges Arbeitsumfeld kannte und schätzte sie: Schon in ihren Lehrjahren war Ursula Schneider in verschiedensten Einrichtung tätig gewesen – in einem Stadt-, einem Kreis- und einem Landeskrankenhaus, in unterschiedlicher Trägerschaft, von Meschede über Konstanz bis nach Kassel. Diese Erfahrung überzeugte sie: „Ich muss dem Anderen das Anderssein zugestehen.“

Eine Ausbildung mit Wert und Werten

Ihre Offenheit und Wertschätzung für die Vielfalt gab sie den Auszubildenden mit. Überhaupt war es ihr wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler über ihre eigenen Werte und die ihrer Arbeitgeber nachdachten. Das pflegerische Handwerk zu beherrschen, allein das reicht Ursula Schneider nicht. „Die ethische Kompetenz kommt vor allem anderen und zieht sich durch mein pflegerisches Handeln wie ein rotes Band,“ ist sie überzeugt. Deshalb forderte sie die Auszubildenden dazu heraus, zu überlegen: Was ist mir wichtig im Umgang miteinander? Welches Leitbild hat mein Krankenhaus? Welche Orientierungshilfe gibt der Ethikkodex meines Berufsverbandes?

Ursula Schneider verbesserte ständig den Wert und die Qualität der Krankenpflegeausbildung in ihrer Schule. Schließlich konnte sie 2006 eine Kooperation mit der Fachhochschule Darmstadt starten: Am Bildungsinstitut wurde eine Klasse eingerichtet, die von den Professoren aus Darmstadt unterrichtet wurde, in Darmstadt als gastimmatrikuliert galt und am Ende einen Fachhochschulabschluss erhielt. Ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Profession war getan. Es war der Moment für Ursula Schneider, sich zurückzuziehen und das Feld anderen starken Frauen mit akademischen Abschlüssen zu überlassen. Ihre Aufgabe war erledigt: „Die Grundsteinlegung hat Blüten getragen,“ sagt sie heute zufrieden. Seit 2008 ist sie im Ruhestand.

Das vollständige Porträt finden Sie hier: Ursula Schneider

 

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